An Flughäfen konnte man im Frühjahr fast vergessen, dass NRW angeblich auf eine globale Gesundheitskatastrophe zusteuerte. Das Fehlen von Corona-Untersuchungen selbst für Einreisende aus Hochrisikogebieten hatten wir früh kritisiert.
Ein Viertel Jahr später liegt uns nun eine Stellungnahme der Landesregierung dazu vor – ein Protokoll der Rechthaberei und Verantwortungslosigkeit.
Am 17. März war es soweit: Die Europäische Union schloss ihre Außengrenzen für Nicht-EU-Bürger. Noch tags zuvor konnten in Düsseldorf allerdings Reisende, selbst aus dem Corona-Hotspot Iran, nicht nur landen, sondern auch ohne Fiebermessung, geschweige denn in Quarantäne geschickt zu werden, ihrer Wege gehen. Noch unfassbarer:
Auch danach landeten in Düsseldorf EU-Bürger fast vollkommen unbehelligt –, selbst, wenn sie über internationale Drehkreuze eingeflogen waren. Dasselbe galt für Flugreisende aus dem damaligen Corona-Epizentrum, der Lombardei. Erst Anfang April beschloss man eine zweiwöchige Quarantäne für alle Flugpassagiere – da war der reguläre Flugverkehr allerdings auch praktisch eingestellt.
Seit Ausbruch der Pandemie in Europa Ende Februar waren bis zu diesem Zeitpunkt knapp 780.000 Personen aus dem Ausland nach NRW geflogen – ohne auf Corona-Symptome untersucht worden zu sein.
Die einzigen sogenannten Sicherheitsmaßnahmen seien mehrsprachige Informationen „durch öffentlich ausgehängte Poster“ in den Flughäfen gewesen! Das gibt das NRW-Gesundheitsministerium auf Nachfrage mehrerer Abgeordneter der AfD-Fraktion NRW zu. Räumt die Behörde auch ein, der Weiterverbreitung des Coronavirus dadurch Vorschub geleistet zu haben?
Nein. Auf die Frage, warum Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) keine Fieber-Screenings verordnete, heißt es, diese halte das Robert-Koch-Institut einfach „nicht für sinnvoll“. Und gefragt, warum die Quarantäne-Maßnahmen nicht viel eher verhängt wurden, erwidert man lapidar, Flughäfen hätten bei der Verbreitung des Virus „vermutlich eine nur untergeordnete Rolle eingenommen“.
Vermuten lässt sich vieles. Fakt ist, dass Schwarz-Gelb eher bereit war, das öffentliche, soziale und wirtschaftliche Leben abzuwürgen, als rudimentäre Vorsichtsmaßnahmen wie Fiebermessungen an Flughäfen vorzunehmen, obwohl viele Länder das so praktiziert hatten. Es war doch sonnenklar:
Frühe Vorsichtsmaßnahmen hätten unseren Vorsprung vor dem Virus ausbauen und den Shutdown womöglich verhindern können. Als einzige Oppositionsfraktion hatten wir daher die Landesregierung schon am 30. Januar gefragt, was sie gegen eine Ausbreitung in NRW unternimmt. Doch während wir Zahlen und Maßnahmen forderten, feierte die Regierung lieber Karneval.
➡️ zur AfD-Anfrage und Antwort der Landesregierung: https://bit.ly/37pND8P