Abrisse und Umnutzungen von Kirchengebäuden in Nordrhein-Westfalen

Kleine Anfrage
vom 23.01.2024

Kleine Anfrage 3190

des Abgeordneten Carlo Clemens AfD

Abrisse und Umnutzungen von Kirchengebäuden in Nordrhein-Westfalen

In Deutschland findet eine beschleunigt zunehmende Veränderung der religiösen Bekenntnisse statt. 1950 waren in Westdeutschland und West-Berlin bei einer Gesamtbevölkerung von knapp 50 Millionen Einwohnern noch fast 23 Millionen Bürger Mitglied der römisch-katholischen Kirche (44,3 %) und über 26 Millionen Mitglied der EKD (50,5 %).1 Im wiedervereinigten Deutschland des Jahres 2022 waren bei einer Gesamteinwohnerzahl von über 84 Millionen Menschen nur noch knapp 21 Millionen Mitglied der römisch-katholischen Kirche (24,8 %) und leicht über 19 Millionen Mitglied der EKD (22,7 %).2

Laut einer Erhebung der Studiengesellschaft Friedensforschung gab es im Jahr 2004 in Deutschland 24.500 katholische und 21.100 evangelische Kirchen.3 2023 meldete der NDR, dass die Kirchen bis 2060 voraussichtlich rund 40.000 Immobilien, darunter zahlreiche Kirchen, aufgeben müssen.4

Zwar wird offiziell erklärt, dass keine großflächigen Kirchenabrisse geplant seien, doch kam es bereits in den letzten Jahren zu einigen Demontagen. In dem NDR-Bericht wird als Beispiel die 2021 abgerissene Corvinuskirche in Hannover aus den 1960er Jahren genannt. Das Portal katholisch.de berichtete 2017, dass im Bistum Essen bereits 105 Kirchen geschlossen, 52 profaniert – entweiht – und 31 abgerissen worden seien. Im Bistum Münster seien 55 Gotteshäuser profaniert und 24 abgebrochen worden. Der Bonner Liturgiewissenschaftler Albert Gerhard schätzt die weitere Entwicklung wie folgt ein: „Aber wir stehen in dieser Entwicklung auch erst am Anfang. Wenn sich kein Umdenken einstellt, ist für die kommenden Jahre ein starker Anstieg von Abrissen absehbar.“5

Vor diesem Hintergrund frage ich die Landesregierung:

  1. Wie bewertet die Landesregierung die oben beschriebene Entwicklung bei den Kirchengebäuden in Nordrhein-Westfalen?
  2. Gibt es Prognosen über den langfristigen Bedarf an Kirchengebäuden in NRW in den nächsten Jahren und Jahrzehnten (bitte falls möglich nach Konfessionen aufschlüsseln)?
  3. Sind der Landesregierung aktuell geplante Kirchenabrisse bzw. -umnutzungen in NRW bekannt (falls ja: bitte nach Abriss, Umnutzung, Standort, Kirchengemeinde und Art des Kirchengebäudes aufschlüsseln)?
  4. Welche Kirchenabrisse bzw. -umnutzungen in NRW sind der Landesregierung in den letzten zehn Jahren bekannt geworden (bitte nach Abriss, Umnutzung, Standort, Kirchengemeinde und Art des Kirchengebäudes aufschlüsseln)?
  5. Was plant die Landesregierung, um in Zukunft die Erhaltung von nicht mehr liturgisch genutzten Kirchengebäuden in NRW zu gewährleisten (bitte nach Förderprogrammen, Fördermitteln u. a. Unterstützungsmaßnahmen aufschlüsseln)?

Carlo Clemens

 

MMD18-7848

 

1 Vgl. https://fowid.de/meldung/deutschland-konfessionen.

2 Vgl. https://www.kirchenaustritt.de/statistik/religionszugehoerigkeit.

3 Vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/36948/umfrage/anzahl-der-moscheen-und-kirchen-in-deutschland/.

4 Vgl. https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Kirchen-muessen-40000-Gebaeude-aufgeben-Was-passiert-damit-,kirche2180.html.

5 Vgl. https://www.katholisch.de/artikel/14773-kirchenabrisse-wir-stehen-erst-am-anfang.

Beteiligte:
Carlo Clemens