Black Axe: Menschenhandel, Zwangsprostitution und Exekution – Was ist der Landes-regierung über eine der gefährlichsten Verbrecherorganisationen bekannt?

Kleine Anfrage
vom 11.06.2025

Kleine Anfrage 5798
des Abgeordneten Markus Wagner AfD

Black Axe: Menschenhandel, Zwangsprostitution und Exekution – Was ist der Landes­regierung über eine der gefährlichsten Verbrecherorganisationen bekannt?

Vorbemerkung der Kleinen Anfrage

Am 13. Juni 2020 demonstrierten über 10.000 Menschen unter dem Motto „Black Lives Matter“ in Zürich. Mitten unter den Demonstrierenden befand sich eine kleine Gruppe von Männern in gelb-schwarzer Kleidung – den Farben des „Neo Black Movement“ (NBM), besser bekannt unter dem Namen „Black Axe“. Diese Organisation wird von Ermittlern als mafiöses, hochge­fährliches Netzwerk eingestuft, das in mehreren kriminellen Geschäftsfeldern weltweit aktiv ist: Menschenhandel, Drogenhandel, Betrug (insbesondere „Romance Scams“) und Geldwä-sche.1

Black Axe stammt ursprünglich aus Nigeria und wurde in den 1970er Jahren von Studenten gegründet, die gegen Rassismus und Unterdrückung kämpfen wollten. Doch aus einer idea­listischen Bruderschaft entwickelte sich im Laufe der Jahre eine brutale, global vernetzte Or­ganisation, deren Strukturen heute an klassische Mafiaorganisationen erinnern. Die Mitglieder, sogenannte „Axemen“, sind gut organisiert, arbeiten in flexiblen Zellen und scheuen weder vor Gewalt noch vor Einschüchterung zurück. In Europa hat sich das Netzwerk besonders in der Schweiz, Deutschland und Italien etabliert.2

Ein zentrales Element der Aktivitäten in Europa ist der Menschenhandel mit jungen Frauen aus Nigeria. Viele der Opfer stammen aus Benin City – einem Zentrum des Menschenhandels in Nigeria – und werden unter falschen Versprechungen nach Europa gelockt. Dort erwartet sie keine Ausbildung oder Arbeit, sondern Zwangsprostitution. Um die Kontrolle über die Frauen zu sichern, wird häufig das sogenannte Juju-Ritual eingesetzt – ein religiös-magischer Schwur, der die Betroffenen psychologisch an ihre „Madames“ bindet. Diese rituellen Schwüre, oft unter Einsatz von Voodoo-Elementen und körperlicher Verstümmelung, wirken so ein­schüchternd, dass die Frauen kaum trauen sich zu befreien oder Aussagen gegen ihre Peini­ger zu machen. Das Netzwerk von Black Axe agiert mit erschreckender Effizienz. Es kontrol­liert die Logistik, stellt gefälschte Pässe und Bankkonten bereit und betreibt ein Spitzelsystem, das Aussteigerinnen weltweit überwacht und zurückverfolgt. Viele Madames, die heute als Zuhälterinnen fungieren, waren selbst einst Opfer des Systems. Sobald sie ihre Schulden ab­bezahlt haben, wechseln sie die Seiten.3

In der Schweiz zählt das Bundesamt für Polizei über 100 aktive Mitglieder nigerianischer Or­ganisationen wie Black Axe. In Deutschland wird die Zahl sogar auf mehrere Tausend ge­schätzt. Allein in Zürich sollen 150 nigerianische Frauen als Zwangsprostituierte tätig sein – mit einem geschätzten Jahresumsatz von 6,5 Millionen Franken für die kriminellen Hintermän­ner. Überträgt man diese Dimension auf Deutschland, sind Einnahmen von mehreren hundert Millionen Euro jährlich denkbar. Diese Gelder werden über diverse Kanäle gewaschen, etwa durch den Kauf und Export von Gebrauchtwagen nach Nigeria.4

Die Ermittlungsarbeit gegen das Netzwerk gestaltet sich äußerst schwierig. In der Schweiz fehlt eine zentrale nationale Datenbank zur Verbrechensbekämpfung, die Zusammenarbeit zwischen Kantonen ist fragmentiert. Opfer sprechen selten aus Angst, und viele verschwinden zu schnell wieder aus dem Zugriff von Hilfsorganisationen wie der FIZ. Internationale Koope­rationen wie die Interpol-Operation „Schakal“ haben zwar vereinzelt Erfolge erzielt, doch das Netzwerk zeigt sich enorm anpassungsfähig und resilient. Ein exemplarischer Fall für die ge­richtliche Auseinandersetzung mit Black Axe ist das Verfahren gegen O. am Bezirksgericht Zürich. Ihm wurde vorgeworfen, als Mittelsmann bei Liebesbetrügereien fungiert zu haben, wobei er fast 240.000 Franken durch diese „Romance Scams“ gewaschen haben soll. Auf seinem Handy fanden sich Belege für Verbindungen zu Black Axe, darunter das Logo, Treue­schwüre und ein brutales Exekutionsvideo. Trotzdem reichten die Indizien nicht für eine Ver­urteilung wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation aus. Er wurde zu 30 Monaten Haft, einer Geldstrafe und einer fünfjährigen Ausweisung aus der Schweiz verurteilt – das Netzwerk operiert aber weiter, mit neuen Mitgliedern, die seine Rolle übernehmen.5

Black Axe wird von Experten als eine der gefährlichsten und undurchsichtigsten Verbrecher­organisationen der Welt eingestuft. Sie operiert unter einer wohltätigen Fassade, ist technisch versiert, gut vernetzt und scheut vor keinerlei Gewalt zurück. In einer digitalen und globalisier-ten Welt gelingt es ihr, Behörden einen Schritt voraus zu sein. Ihr Erfolg basiert auf Angst, Kontrolle, ritueller Manipulation – und dem Versagen vieler staatlicher Institutionen, das Phä­nomen ausreichend ernst zu nehmen.

Der Minister des Innern hat die Kleine Anfrage 5798 mit Schreiben vom 17. Juli 2025 namens der Landesregierung beantwortet.

  1. Welche (Er-)Kenntnisse liegen der Landesregierung über die Organisation „Black

Axe“ vor, die Strukturen einer klassischen Mafiaorganisation aufweist?

Die sogenannte Black Axe stellt eine in Nigeria fest im kriminellen Milieu etablierte, hierar­chisch strukturierte und gewaltbereite Tätergruppierung dar, deren kriminellen Aktivitäten – zu denen insbesondere Betrugsdelikte via Internet und Geldwäsche zählen – teilweise bis nach Europa reichen.

  1. Welches sind die kriminellen Geschäftsfelder der „Black Axe“-Organisation in Nordrhein-Westfalen?

Informationen zu kriminellen Aktivitäten der sogenannten Black Axe in Nordrhein-Westfalen liegen der Landesregierung nicht vor.

  1. Wie hat sich das Personenpotential der „Black Axe“-Organisation in Nordrhein-Westfalen seit 2010 bis heute pro Jahr entwickelt?

Informationen im Sinne der Fragestellung liegen der Landesregierung nicht vor.

  1. Welche behördlichen Zusammenarbeiten und Informationsaustausche finden zwi­schen Nordrhein-Westfalen und anderen europäischen Staaten – insbesondere der Schweiz – im Hinblick auf die „Black Axe“-Organisation statt?

Die Polizei Nordrhein-Westfalen arbeitet im Rahmen der internationalen polizeilichen Zusam­menarbeit eng mit anderen Staaten zusammen. Eine konkrete Zusammenarbeit bzw. ein kon­kreter Informationsaustausch die sogenannte Black Axe betreffend, findet nicht statt.

 

MMD18-14856

 

1 Vgl. https://www.nzz.ch/zuerich/black-axe-in-der-schweiz-das-unheimliche-netz-der-nigeria-mafia-ld.1710196.

2 Ebenda.

3 Vgl. https://www.kriminalpolizei.de/ausgaben/2024/dezember/detailansicht-dezember/artikel/black-axe-und-die-deutsche-prostitutionsgesetzgebung.html.

4 Ebenda.

5 Vgl. https://www.nzz.ch/zuerich/black-axe-in-der-schweiz-das-unheimliche-netz-der-nigeria-mafia-ld.1710196.

Beteiligte:
Markus Wagner