Kleine Anfrage 8294 vom 26. Juni 2026
des Abgeordneten Markus Wagner AfD
Drucksache 18/20249
Gewalt in Krankenhäusern – Wie oft kam es zu Gewaltdelikten im Klinikum Oberberg?
Vorbemerkung der Kleinen Anfrage
Die Gewalt gegen Beschäftigte in Krankenhäusern nimmt zu und gehört besonders in Notaufnahmen vielerorts zum Alltag. Laut dem Krankenhaus-Barometer 2025 berichteten rund zwei Drittel der Kliniken von psychischen Belastungen und körperlichen Schäden bei Mitarbeitenden infolge von Übergriffen. Die Gewalt reicht von Beleidigungen, Bedrohungen und Anspucken bis hin zu sexuellen Übergriffen, körperlichen Angriffen und Sachbeschädigungen. Pflegekräfte berichten, dass solche Vorfälle häufig bei Untersuchungen und Behandlungen auftreten und auch ihr Privatleben belasten. Als Reaktion setzen Krankenhäuser auf Deeskalations-trainings, Konfliktmanagement, Sicherheitsdienste, Videoüberwachung, Notfallalarme, interne Warnsysteme sowie psychosoziale Unterstützungsangebote für Beschäftigte.1
Der Minister des Innern hat die Kleine Anfrage 8294 mit Schreiben vom 5. August 2026 namens der Landesregierung im Einvernehmen mit dem Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales beantwortet.
Vorbemerkung der Landesregierung
Datenquelle für die Beantwortung von Fragen zur Kriminalitätsentwicklung ist die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS). Sie wird nach bundeseinheitlich festgelegten Richtlinien erstellt. Die Erfassung erfolgt nach Abschluss aller kriminalpolizeilichen Ermittlungen mit Abgabe an die Staatsanwaltschaft (sogenannte Ausgangsstatistik) und führt zu einem zeitlichen Versatz zwischen Bekanntwerden der Straftat und der statistischen Erfassung. Die PKS ist eine Jahresstatistik, die zu Jahresbeginn eines Folgejahres für das Vorjahr veröffentlicht wird. Bis ins erste Quartal des Folgejahres hinein führt das Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen umfangreiche und aufwändige Prüfroutinen im Rahmen eines Qualitätssicherungsprozesses durch. Insofern liegen diese qualitätsgesicherten Daten zu Straftaten in der PKS für das laufende Jahr 2026 nicht vor.
1 Vgl. https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/deeskalation-krankenhaeuser-100.html. Datum des Originals: 05.08.2026/Ausgegeben: 11.08.2026
Für das laufende Jahr 2026 können Daten zur Kriminalitätslage bei polizeilich bekannt gewordenen Straftaten jedoch auf Grundlage einer Auswertung des Vorgangsbearbeitungssystems „Verfahren zur integrierten Vorgangsbearbeitung und Auskunft (ViVA)“ der Polizei Nordrhein-Westfalen ausgewertet und dargestellt werden. Dabei handelt es sich allerdings um Daten, die eine Momentaufnahme zum Zeitpunkt der Auswertung abbilden (sogenannte Eingangs- und Verlaufsstatistik). Im Fortgang der polizeilichen Ermittlungen kann es beispielsweise zu delik-tischen Neueinordnungen kommen. Die im Rahmen der Abfrage erhobenen Daten sind zu einem späteren Zeitpunkt nicht reproduzierbar. Statistische – teilweise erhebliche – Abweichungen ergeben sich zudem, da Straftaten mit Tatort in Nordrhein-Westfalen, die durch andere Länder oder Bundesbehörden abschließend bearbeitet werden, nicht im Datenbestand des Vorgangsbearbeitungssystems ViVA erfasst werden. Ein Vergleich von Daten aus dem Vor-gangsbearbeitungssystem ViVA mit den im Folgejahr veröffentlichten Daten der PKS Nordrhein-Westfalen kann aufgrund der vorgenannten Umstände erhebliche Abweichungen aufweisen, sodass ein solcher Abgleich ausdrücklich keine tragfähige Grundlage für Ableitungen zur Kriminalitätsentwicklung oder Ermittlungsarbeit bildet.
- Wie viele Straftaten wurden seit 2015 bis heute pro Jahr und Monat im Klinikum Oberberg registriert?
Zur Beantwortung der Frage wurden die Straftaten mit der Anschrift des Klinikums Oberberg ausgewertet.
Die Anzahl der bekannt gewordenen Straftaten an der o.g. Tatörtlichkeit für die Berichtsjahre 2015 bis 2025 bitte ich, der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen.
| Anzahl bekannt gewordener Fälle im Klinikum Oberberg für die Berichtsjahre 2015 bis 2025 | |
| Berichtsjahr | Bekannt gewordene Fälle |
| 2015 | 16 |
| 2016 | 24 |
| 2017 | 36 |
| 2018 | 29 |
| 2019 | 28 |
| 2020 | 19 |
| 2021 | 29 |
| 2022 | 39 |
| 2023 | 33 |
| 2024 | 32 |
| 2025 | 36 |
Im Vorgangsbearbeitungssystem ViVA wurden für den Zeitraum vom 01.01.2026 bis 29.06.2026 insgesamt 16 Straftaten im Klinikum Oberberg erfasst.
- Wie viele dieser Straftaten wurden als Gewaltvorfälle gegenüber Krankenhausangehörigen (Ärzte, Pflegekräfte und weiteres Personal) vor bzw. in der Klinik registriert? (Bitte nach Anlass des Polizeieinsatzes aufschlüsseln.)
Zur Beantwortung der Frage wurde der Summenschlüssel „Gewaltkriminalität“, ergänzt durch die „vorsätzliche einfache Körperverletzung“, ausgewertet. Aufgrund der insgesamt festgestellten niedrigen Fallzahlen war eine lesende Auswertung aller in Frage kommender Verfahren durchführbar. Die Anzahl der insoweit identifizierten Gewaltdelikte gegenüber Krankenhauspersonal im Klinikum Oberberg von 2015 bis 2025 bitte ich, der folgenden Tabelle zu entnehmen.
| Berichtsjahr | Bekannt gewordene Fälle |
| 2015 | 3 |
| 2016 | 1 |
| 2017 | 5 |
| 2018 | 1 |
| 2019 | 0 |
| 2020 | 1 |
| 2021 | 4 |
| 2022 | 2 |
| 2023 | 3 |
| 2024 | 1 |
| 2025 | 0 |
Im Vorgangsbearbeitungssystem ViVA wurden im Rahmen einer ebenfalls lesenden Auswertung für den Zeitraum vom 01.01.2026 bis 29.06.2026 keine Straftaten gegenüber Krankenhauspersonal festgestellt.
- Wie viele polizeilich gemeldete Rohheitsdelikte wurden seit 2015 bis heute pro Jahr und Monat im Klinikum Oberberg registriert?
Zur Beantwortung der Frage wurde der Gruppenschlüssel „Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die Persönliche Freiheit “, ausgewertet.
Die bekannt gewordenen Rohheitsdelikte und die Straftaten gegen die persönliche Freiheit im Klinikum Oberberg von 2015 bis 2025 bitte ich, der folgenden Tabelle zu entnehmen.
| Berichtsjahr | Bekannt gewordene Fälle |
| 2015 | 4 |
| 2016 | 4 |
| 2017 | 9 |
| 2018 | 4 |
| 2019 | 6 |
| 2020 | 4 |
| 2021 | 7 |
| 2022 | 13 |
| 2023 | 6 |
| 2024 | 5 |
| 2025 | 4 |
Im Vorgangsbearbeitungssystem ViVA wurden für den Zeitraum vom 01.01.2026 bis 29.06.2026 insgesamt vier entsprechende Delikte erfasst.