Kleine Anfrage 5178
des Abgeordneten Markus Wagner AfD
Messerdelikte in Nordrhein-Westfalen – Wie sieht die Entwicklung 2024 aus?
Für das Berichtsjahr 2023 wurden insgesamt 6.221 Fälle gemeldet, die sich in 5.658 Fälle mit einem sonstigen Messer, 386 Fälle mit einem Messer im Sinne des Waffengesetzes und 177 Fälle mit einer sonstigen Stichwaffe unterteilen. Damit handelt es sich um einen Anstieg von 48,44 Prozent im Vergleich zu 2022, als insgesamt 4.191 Fälle registriert wurden.1
Insgesamt konnten 5.686 Tatverdächtige ermittelt werden, von denen 34,4 Prozent unter 21 Jahre alt und 86,7 Prozent männlich waren. Mit 47,4 Prozent ist fast jeder zweite Tatverdächtige nicht deutsch. Tatverdächtige mit einer Mehrfachstaatsangehörigkeit sind hier noch nicht eingerechnet. Die am häufigsten vertretenen Staatsangehörigkeiten bei den Tatverdächtigen sind Deutsch (2.992), Syrisch (469), Türkisch (298), Irakisch (159) und Rumänisch (152).2
Die im vergangenen Jahr 8.036 erfassten Opfer sind zu 31,1 Prozent unter 21 Jahre alt und zu 76,5 Prozent männlich. 61,7 Prozent der Opfer verfügen über die deutsche Staatsangehörigkeit. Die am häufigsten vertretenen Staatsangehörigkeiten bei den Opfern sind neben Deutsch (4.956) Syrisch (475), Türkisch (349), Irakisch (174) und Polnisch (161).3
Rund 3 Prozent der erfassten Fälle wurden als Tötungsdelikte eingeordnet. Im Jahre 2023 wurden in Nordrhein-Westfalen insgesamt 198 Tötungsdelikte mit Messern und sonstigen Stichwaffen verübt. In 183 dieser Fälle war das Tatmittel ein sonstiges Messer, in 8 Fällen ein Messer im Sinne des Waffengesetzes, und 7 Fälle wurden mit einer sonstigen Stichwaffe begangen.4
Ich frage daher die Landesregierung:
- Wie viele Straftaten, bei denen ein Messer respektive eine Stichwaffe eingesetzt wurde, wurden in Nordrhein-Westfalen im Jahre 2024 im Vergleich zu 2023 registriert?
- Über welche Staatsangehörigkeiten verfügen die für die in Frage 1 abgefragten Straftaten jeweils verantwortlichen Tatverdächtigen?
- Über welche Mehrfachstaatsangehörigkeiten verfügen die jeweiligen Tatverdächtigen?
- Wie lauten die Vornamen der deutschen Tatverdächtigen jeweils?
- Welche 20 Städte in Nordrhein-Westfalen weisen die meisten Messerdelikte 2024 auf?
Markus Wagner
1 Vgl. Antwort der Landesregierung vom 4. Juni 2024, Drs. 18/2623.
2 Ebenda.
3 Ebenda.
4 Ebenda.
Der Minister des Innern hat die Kleine Anfrage 5178 mit Schreiben vom 15. April 2025 namens der Landesregierung beantwortet.
Vorbemerkung der Landesregierung
Datenquelle für die Beantwortung von Fragen zur Kriminalitätsentwicklung ist die Polizeiliche Kriminalstatistik. Sie wird nach bundeseinheitlich festgelegten Richtlinien erstellt. Die Erfassung erfolgt nach Abschluss aller kriminalpolizeilichen Ermittlungen und führt häufig zu einem zeitlichen Versatz zwischen Bekanntwerden der Straftat und der statistischen Erfassung.
Seit Einführung eines Tatmittelkatalogs im Jahr 2019 lässt sich die Verwendung von Waffen und gefährlichen Gegenständen auswerten. Grundsätzlich reicht das bloße Mitführen bei der Tatbegehung für die Erfassung nicht aus, die Tatmittel müssen konkret bei der Begehung der Tat eingesetzt werden. Eine Ausnahme bilden die Verstöße gegen das Waffengesetz, bei denen das Tatmittel stets erfasst wird, auch unabhängig von einer konkreten Nutzung.
Eine Erfassung von Daten zu Opfern in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfolgt grundsätzlich nur bei den sogenannten Opferdelikten. Dies sind Straftaten gegen höchstpersönliche Rechtsgüter (Leben, sexuelle Selbstbestimmung, körperliche Unversehrtheit, Freiheit, Ehre). Diese sogenannten Opferdelikte sind durch die Erfassungsrichtlinien zur Polizeilichen Kriminalstatistik in einem abschließenden Straftatenkatalog definiert.
Insofern erfolgt die Beantwortung der Fragen 1 bis 4 im Hinblick auf Opferdelikte, bei denen das Tatmittel „Stichwaffe“ (umfasst das „Messer (Waffengesetz)“, „sonstiges Messer“ und die „sonstige Stichwaffe“) eingesetzt wurde. Zur Beantwortung der Frage 5 nach den „meisten Messerdelikten“, wurden alle Straftaten des Jahres 2024 mit Tatmittel „Stichwaffe“ ausgewertet – also neben den Opferdelikten, auch Verstöße gegen das Waffengesetz.
- Wie viele Straftaten, bei denen ein Messer respektive eine Stichwaffe eingesetzt wurde, wurden in Nordrhein-Westfalen im Jahre 2024 im Vergleich zu 2023 registriert?
Die Daten für das Berichtsjahr 2023 bitte ich der Vorlage 18/2623 zu entnehmen.
Die Anzahl erfasster Straftaten sogenannter Opferdelikte, bei denen das Tatmittel „Stichwaffe“ im Berichtsjahr 2024 eingesetzt wurde, bitte ich der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen:
| Berichtsjahr | Stichwaffen | |||
| insgesamt | davon | |||
| Messer (WaffG) |
sonstiges Messer | sonstige Stichwaffe | ||
| 2024 | 7.661 | 449 | 6.846 | 366 |
- Über welche Staatsangehörigkeiten verfügen die für die in Frage 1 abgefragten Straftaten jeweils verantwortlichen Tatverdächtigen?
Die Staatsangehörigkeiten der Tatverdächtigen von Opferdelikten, bei denen das Tatmittel „Stichwaffe“ im Berichtsjahr 2023 und 2024 eingesetzt wurde, bitte ich der Anlage 1 zu entnehmen.
- Über welche Mehrfachstaatsangehörigkeiten verfügen die jeweiligen Tatverdächtigen?
Ich verweise auf die Antwort auf Frage 2 der Kleinen Anfrage 1970 (LT-Drs. 18/5015).
- Wie lauten die Vornamen der deutschen Tatverdächtigen jeweils?
Die Vornamen der deutschen Tatverdächtigen von Opferdelikten, bei denen das Tatmittel „Stichwaffe“ im Berichtsjahr 2023 und 2024 eingesetzt wurde, bitte ich der Anlage 2 zu entnehmen.
Da die Nennung mehrerer Vornamen zu einer Person im Einzelfall die Möglichkeit einer Identifikation eröffnet, wird bei Tatverdächtigen mit mehreren Vornamen nur der jeweils erste Vorname aufgeführt. Identische Schreibweisen von Vornamen werden hierbei nur einmal ausgewiesen.
- Welche 20 Städte in Nordrhein-Westfalen weisen die meisten Messerdelikte 2024 auf?
Die nachfolgende Auswertung bezieht sich auf die Kreispolizeibehörden des Landes Nordrhein-Westfalen. Ich weise darauf hin, dass die Kreispolizeibehörde nicht mit der jeweiligen Stadt gleichzusetzen ist, da der Polizeibezirk einer Kreispolizeibehörde mehrere Städte umfassen kann.
Die 20 Kreispolizeibehörden mit den meisten Straftaten mit dem Tatmittel „Stichwaffe“ im Berichtsjahr 2024 bitte ich der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen:
| Kreispolizeibehörde | Fälle |
| PP Köln | 836 |
| PP Dortmund | 501 |
| PP Düsseldorf | 474 |
| PP Essen | 408 |
| PP Wuppertal | 378 |
| PP Recklinghausen | 339 |
| PP Duisburg | 337 |
| PP Bonn | 283 |
| PP Aachen | 254 |
| PP Bochum | 253 |
| LR Mettmann | 240 |
| PP Bielefeld | 213 |
| LR Rhein-Kreis Neuss | 180 |
| LR Wesel | 177 |
| LR Düren | 171 |
| LR Rhein-Erft-Kreis | 166 |
| PP Münster | 162 |
| LR Märkischer Kreis | 156 |
| PP Gelsenkirchen | 156 |
| LR Borken | 149 |