Kleine Anfrage 5582
des Abgeordneten Markus Wagner AfD
Präventionsprogramm „Kurve kriegen“ – Kann von einem Erfolg gesprochen werden?
Das Präventionsprogramm „Kurve kriegen“ der Polizei Nordrhein-Westfalen richtet sich an jugendliche Straftäter, die bereits durch Delikte aufgefallen sind, aber noch nicht tief in die Kriminalität abgerutscht sind. Ziel des Programms ist es, durch frühzeitige Intervention eine kriminelle Laufbahn zu verhindern und den Jugendlichen alternative Perspektiven aufzuzeigen. Die Zielgruppe umfasst Kinder und Jugendliche im Alter von etwa 8 bis 17 Jahren, die durch ihre Straftaten ein erhöhtes Risiko für eine kriminelle Karriere aufweisen.
Die Polizei identifiziert die betroffenen Jugendlichen anhand ihres bisherigen Deliktverhaltens und vermittelt sie in das Programm. Sozialpädagogen nehmen anschließend Kontakt zu den Jugendlichen und ihren Familien auf, um gemeinsam eine individuelle Förderstrategie zu entwickeln. Dabei arbeitet die Polizei eng mit Sozialarbeitern, Schulen und weiteren Einrichtungen zusammen. Die Maßnahmen innerhalb des Programms sind gezielt auf die jeweilige Lebenssituation des Jugendlichen zugeschnitten und umfassen unter anderem soziale Trainings, Unterstützung bei schulischen und beruflichen Herausforderungen sowie langfristige Begleitung zur Stabilisierung der Lebensumstände.1
Ich frage daher die Landesregierung:
- Wie viele Jugendliche haben seit 2011 bis heute pro Jahr an dem Präventionsprogramm „Kurve kriegen“ teilgenommen?
- Wie viele dieser Jugendlichen konnten das Präventionsprogramm als erfolgreiche Absolventen verlassen?
- Über welche Nationalität verfügen die Jugendlichen jeweils? (Bitte Vornamen bei deutschen Teilnehmern nennen.)
- Wie viele der in Frage 1 genannten Teilnehmer haben nach Beendigung des Präventionsprogramm erneut an ihm teilgenommen respektive nehmen erneut teil?
- Wie viele Teilnehmer von „Kurve kriegen“ traten nach ihrem Kursbesuch erneut strafrechtlich in Erscheinung?
Markus Wagner
1 Vgl. https://polizei.nrw/artikel/jugendliche-kriminelle-sollen-die-kurve-kriegen.
Der Minister des Innern hat die Kleine Anfrage 5582 mit Schreiben vom 4. Juni 2025 namens der Landesregierung beantwortet.
- Wie viele Jugendliche haben seit 2011 bis heute pro Jahr an dem Präventionspro-gramm „Kurve kriegen“ teilgenommen?
Seit 2011 haben 3.056 Personen an dem Präventionsprogramm „Kurve kriegen“ teilgenommen (Stand 15.03.2025).
- Wie viele dieser Jugendlichen konnten das Präventionsprogramm als erfolgreiche Absolventen verlassen?
Seit 2011 haben 1.456 Personen das Präventionsprogramm „Kurve kriegen“ als Absolventen verlassen (Stand 15.03.2025).
- Über welche Nationalität verfügen die Jugendlichen jeweils? (Bitte Vornamen bei deutschen Teilnehmern nennen.)
Einzelne Nationalitäten von Teilnehmerinnen und Teilnehmern werden nicht erfasst. Erfasst wird jedoch der Umstand „Migrationshintergrund“. Von allen bisherigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern haben 54 Prozent einen Migrationshintergrund (Stand 15.03.2025).
- Wie viele der in Frage 1 genannten Teilnehmer haben nach Beendigung des Prä-ventionsprogramm erneut an ihm teilgenommen respektive nehmen erneut teil?
Seit 2011 wurden 46 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Beendigung des Programms zu einem späteren Zeitpunkt erneut in das Programm „Kurve kriegen“ aufgenommen (Stand 15.03.2025).
- Wie viele Teilnehmer von „Kurve kriegen“ traten nach ihrem Kursbesuch erneut strafrechtlich in Erscheinung?
Diese Daten werden im Controlling der Initiative nicht erfasst. Das Ziel der Initiative „Kurve kriegen“ ist es, drohende Intensivtäterkarrieren nachhaltig zu verhindern. Aus diesem Grund ist ein Monitoring eingerichtet, dass erfasst, wenn ehemalige Teilnehmerinnen und Teilnehmer (Absolventen sowie Abbrecher2) als Intensivtäter statuiert und in ein entsprechendes Konzept (Mehrfach- und Intensivtäterkonzept) aufgenommen werden. Von allen bisherigen Absolventinnen und Absolventen wurden lediglich 1,3 % (19 von 1.456 Personen, Stand 15.03.2025) wieder so auffällig, dass sie in ein solches Konzept aufgenommen wurden, von den Abbreche-rinnen und Abbrechern waren es 28,4 % (306 Personen, Stand März 2025).
Eine Reduktion der Straftaten auf „Null“ ist keine notwendige Bedingung für eine Entlassung als Absolvent. Kriterium für eine solche Entlassung ist die Prognose des Fachkräfteteams, dass eine kriminelle Karriere nicht mehr zu befürchten ist. Von besonderer Relevanz ist dabei die Reduktion von kriminogenen Risikofaktoren und die nachhaltige Ausbildung von Schutzfaktoren. Einzelne jugendtypische und bagatellhafte Taten stehen dieser Entscheidung nicht entgegen.
Nichtsdestotrotz ist die Anzahl der polizeilichen Registrierungen vor und während der Teilnahme an dem Programm ein Datum, das als so genannter „Straftatenmonatsquotient (SMQ)“ erhoben wird. Bei den aktuell 733 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Initiative liegt der SMQ bezogen auf die zwölf Monate vor der Aufnahme bei monatlich durchschnittlich 0,34, was durchschnittlich 4,08 Taten entspricht (12 x 0,34). Bei unterschiedlich langen Teilnahmedauern dieser 733 jungen Menschen liegt der aktuelle Wert bei monatlich 0,19, mithin bereits eine fast 50 %ige Reduktion (12 x 0,19 = 2,28 Taten; Stand 15.03.2025).
2 Absolventen sind Personen, die das Programm durchlaufen haben und mit einer positiven Prognose entlassen
werden. Abbrecher sind Personen, die das Programm während der pädagogischen Betreuung abgebrochen haben.