Schülerwettbewerb: Propaganda produzieren, Preisgeld kassieren?

„Seenotrettung für Alle“, „Stop racial profiling“, „Nein zu Rassismus – Ja zur Menschlichkeit“: Nein, das sind nicht die neuesten Plakate der Grünen, sondern Sieger-Projekte des diesjährigen Schülerwettbewerbs „EuroVisions“.

Ausgerichtet wird der Wettbewerb von der Regierung – und mit Steuergeldern prämiert. Auch die jährlichen Mottos sind eindeutig:

„Willkommen in Europa?!“, „#WERTVOLLES EUROPA“, „Dein Europa – Deine Initiative“: Unter diesen Parolen konnten Schüler aus NRW in den letzten Jahren fotografische oder filmische Beiträge einreichen. Das Preisgeld ist verlockend:

Der erste Platz in den Kategorien „Foto Sekundarstufe I“, „Foto Sekundarstufe II“, „Video Sekundarstufe I“ und „Video Sekundarstufe II“ wird jeweils mit 750 Euro belohnt. Unter den Gewinnern findet sich kein einziges EU-kritisches Projekt. Zufall?

Das wollte Sven W. Tritschler, europapolitischer Sprecher der AfD-Fraktion NRW, wissen und fragte bei der Regierung, nach welchen Beurteilungskriterien die eingereichten Beiträge bewertet werden. Die Antwort: Neben „inhaltlichen und ästhetischen Kriterien“ sei vor allem „die kreative Auseinandersetzung mit dem Thema Europa“ entscheidend.

Da die prämierten Projekte alle in eine gewisse, man könnte sagen „politisch erwünschte“ Richtung zeigen, hakte Tritschler noch einmal genauer nach. Der AfD-Abgeordnete fragte, ob der zuständige Minister Dr. Holthoff-Pförtner auch „offen für ein EU-kritisches Motto“ wäre. Die Antwort: ausweichend.

Man halte sich an die verfassungsrechtlichen Vorgaben, gab das Ministerium bekannt. „Alles andere hätte auch sehr verwundert“, kommentiert Tritschler, „das war aber nicht die Frage.“

„Dass die NRW-Landesregierung sich davor drückt zu sagen, dass auch ein EU-kritisches Motto für den Schülerwettbewerb denkbar wäre, ist bezeichnend. Es war eine einfache, beinahe schon rhetorische Frage. Denn von Kritik sollte in einer Demokratie niemand ausgenommen sein – nicht mal die hohe EU.“

Und weiter: „Es sieht vielmehr so aus, als würde der EuroVisions-Wettbewerb eine ganz bestimmte Art zu Denken finanziell belohnen.“

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