Nestlé in Neuss: Das nächste Traditionsunternehmen baut ab – was muss noch passieren, damit Ministerin Mona Neubaur endlich ihre Verantwortung für den Erhalt von Arbeitsplätzen wahrnimmt?

Kleine Anfrage
vom 11.04.2025

Kleine Anfrage 5387

des Abgeordneten Christian Loose AfD

Nestlé in Neuss: Das nächste Traditionsunternehmen baut ab was muss noch passieren, damit Ministerin Mona Neubaur endlich ihre Verantwortung für den Erhalt von Arbeitsplätzen wahrnimmt?

Der Schweizer Nahrungsmittelhersteller Nestlé gibt zwei Werke in Deutschland auf. Der Standort der Nestlé Deutschland AG in Neuss bei Düsseldorf, bekannt als „Thomy-Werk Neuss“, soll Mitte 2026 geschlossen und das Werk in Conow (Mecklenburg-Vorpommern) verkauft werden. Betroffen sind insgesamt rund 230 Beschäftigte, davon 145 im Werk Neuss, das Produkte wie Öl, Mayonnaise, Remoulade und Senf unter der Marke „Thomy“ herstellt. Die Geschichte des Werks lässt sich bis ins Jahr 1911 zurückverfolgen.1

Damit gehen erneut über 100 Arbeitsplätze in Nordrhein-Westfalen verloren, die über Jahrzehnte einen wertvollen Beitrag zu Steuereinnahmen und Sozialversicherungen geleistet haben. Die Schließung des Thomy Werk Neuss setzt den unheilvollen Prozess von Insolvenzen, Betriebsverlagerungen, Betriebsschließungen und Entlassungen in Nordrhein-Westfalen fort. Zuvor betraf es Kabel Premium Pulp & Paper GmbH in Hagen, Löwensenf GmbH in Düsseldorf, Metsä Greaseproof Papers in Düren, KME Stolberg GmbH, Accuride Wheels in Solingen, ContiTech in Moers, Lindner Hotels, Evonik Industries, Zoo Zajac in Duisburg und TMD Friction Services in Essen.

Die Gründe sind immer dieselben: überbordende Energiepreise, gestiegene Rohstoffkosten, Bürokratie und standortbedingte mangelnde Wettbewerbsfähigkeit.

Deshalb frage ich die Landesregierung:

  1. Hat die Landesregierung Gespräche mit der Nestlé Deutschland AG aufgenommen, um den zu erwartenden Arbeitsplatzabbau und andere Folgen der Betriebsschließung des Thomy Werk Neuss zu verhindern oder zu reduzieren?
  2. Hat die Landesregierung Gespräche mit den Belegschaftsvertretern des Thomy Werk Neuss aufgenommen, um den zu erwartenden Arbeitsplatzabbau und andere Folgen der Betriebsschließung zu verhindern oder zu reduzieren?
  3. Welche konkreten Ergebnisse haben diese Gespräche ergeben, insbesondere hinsichtlich der Erhaltung des Standortes Neuss?
  4. Welche konkreten Ergebnisse haben ähnliche Gespräche in Bezug auf Kabel Premium Pulp & Paper GmbH in Hagen, Löwensenf GmbH in Düsseldorf, Metsä Greaseproof Papers in Düren, KME Stolberg GmbH, Accuride Wheels in Solingen, ContiTech in Moers, Lindner Hotels, Evonik Industries, Zoo Zajac in Duisburg und TMD Friction Services in Essen ergeben?
  5. Welche konkreten Maßnahmen und Schritte gedenkt die Landesregierung mit welchem Zeitziel einzuleiten, um Mittelständlern wie den beispielhaft unter Frage 4 genannten die Fortführung ihrer Betriebe zu ermöglichen, die unter anderem durch dauerhaft hohe Energiepreise ihre Wettbewerbsfähigkeit verlieren und zukünftig durch die inflationsanheizenden Wirkungen der unlängst unter Mitwirkung der nordrhein-westfälischen Landesregierung beschlossenen größten Schuldenaufnahme in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu leiden haben werden?

Christian Loose

 

MMD18-13437

 

1 Vgl. https://www.n-tv.de/wirtschaft/Nestle-gibt-zwei-Werke-in-Deutschland-auf-article25644273.html, abgerufen am 25.03.2025.


Die Ministerin für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie hat die Kleine Anfrage 5387 mit Schreiben vom 8. Mai 2025 namens der Landesregierung im Einvernehmen mit dem Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales beantwortet.

  1. Hat die Landesregierung Gespräche mit der Nestlé Deutschland AG aufgenom­men, um den zu erwartenden Arbeitsplatzabbau und andere Folgen der Betriebs­schließung des Thomy Werk Neuss zu verhindern oder zu reduzieren?
  2. Hat die Landesregierung Gespräche mit den Belegschaftsvertretern des Thomy Werk Neuss aufgenommen, um den zu erwartenden Arbeitsplatzabbau und andere Folgen der Betriebsschließung zu verhindern oder zu reduzieren?
  3. Welche konkreten Ergebnisse haben diese Gespräche ergeben, insbesondere hin­sichtlich der Erhaltung des Standortes Neuss?
  4. Welche konkreten Ergebnisse haben ähnliche Gespräche in Bezug auf Kabel Pre-mium Pulp & Paper GmbH in Hagen, Löwensenf GmbH in Düsseldorf, Metsä Greaseproof Papers in Düren, KME Stolberg GmbH, Accuride Wheels in Solingen, ContiTech in Moers, Lindner Hotels, Evonik Industries, Zoo Zajac in Duisburg und TMD Friction Services in Essen ergeben?

Die Fragen 1 – 4 werden aufgrund des sachlichen Zusammenhangs gemeinsam beantwortet.

Die Landesregierung steht über unterschiedliche Formate in einem fortgesetzten intensiven Dialog mit der nordrhein-westfälischen Wirtschaft. Das Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie bietet dabei bei Bedarf auch Unterstützungsleistungen im Rahmen der Unternehmenssicherung an. Hierbei erfolgt stets ein enger Austausch mit dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales.

  1. Welche konkreten Maßnahmen und Schritte gedenkt die Landesregierung mit wel­chem Zeitziel einzuleiten, um Mittelständlern wie den beispielhaft unter Frage 4 genannten die Fortführung ihrer Betriebe zu ermöglichen, die unter anderem durch dauerhaft hohe Energiepreise ihre Wettbewerbsfähigkeit verlieren und zu­künftig durch die inflationsanheizenden Wirkungen der unlängst unter Mitwirkung der nordrhein-westfälischen Landesregierung beschlossenen größten Schulden-aufnahme in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland zu leiden haben werden?

Seit dem Höhepunkt der Energiekrise im Jahr 2022 sind die Strompreise zwar wieder deutlich gesunken. Sie liegen jedoch noch immer über dem Vorkrisenniveau und stellen deshalb ins­besondere für stromintensive Unternehmen eine Herausforderung dar.

Auf Bundesebene setzt sich die Landesregierung deshalb vehement für konkrete, kurzfristig wirkende Entlastungen ein. Dazu zählt unter anderem die Absenkung und Stabilisierung der Übertragungsnetzentgelte sowie die Absenkung der Stromsteuer auf das europäische Min­destmaß. Darüber hinaus bringt sich die Landesregierung auf Bundesebene konstruktiv bei der Ausgestaltung nötiger energiewirtschaftlicher Reformen ein, die eine effiziente Integration der erneuerbaren Energien in Markt und System ermöglichen müssen.

Zudem kann das Investitions- und Infrastrukturpaket der Bundesregierung zum Erhalt und Ausbau der Infrastruktur in Nordrhein-Westfalen beitragen und so die Standortbedingungen für Unternehmen spürbar verbessern. Die NRW-Inflationsrate lag im März bei 1,9 Prozent und war damit mit der Zielinflationsrate der EZB vereinbar.

 

MMD18-13766

Beteiligte:
Christian Loose