Antrag
der AfD-Fraktion vom 15.06.2022
Rote Karte für Brüssel – Nordrhein-Westfalen muss sich dem industrie- und arbeitsplatzfeindlichen Verkaufsverbot von Kraftfahrzeugen mit Verbrennungsmotor entschieden entgegenstellen!
I. Ausgangslage
Am Mittwoch, dem 08.06.2022, stimmte das EU-Parlament mehrheitlich für eine weitere drastische Verschärfung der CO2-Grenzwerte für Personenkraftwagen und sogenannte leichte Nutzfahrzeuge (Fahrzeuge bis zu einem zul. Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen). Solche ab dem Jahr 2035 verkaufte Neufahrzeuge sollen nach dem Willen des EU-Parlaments lokal kein Kohlendioxid mehr ausstoßen dürfen. Es sollen auch keine Ausnahmen für die Nutzung synthetischer Kraftstoffe gelten. „Das beschloss eine Mehrheit von Sozialdemokraten, Grünen, Linken und Teilen der Liberalen.“1 Abgeordnete der christdemokratischen EVP und von konservativen Gruppen hatten hingegen versucht, das entsprechende Einsparziel zumindest noch aufzuweichen.
Kritik kommt selbst aus den Reihen derjenigen, die sich bisher allen ideologisch getriebenen, sogenannten Klimaschutzzielen unterworfen haben. Der ADAC verlautbarte: „Allein mit der Elektromobilität werden sich im Verkehr die ambitionierten Klimaschutzziele nicht erreichen lassen.“2
Bundesverkehrsminister Wissing beklagt dem Grunde nach nur das zusätzliche Verbot der hoch subventionierten E-Fuels. 3 Die Präsidentin des VDA Verband der Automobilindustrie e.V., Frau Hildegard Müller, wendet sich ebenfalls lediglich gegen die Nichteinbeziehung synthetischer Treibstoffe4.
Auch Oliver Zipse, Chef der Bayerischen Motorenwerke AG und Vorsitzender der Vereinigung ACEA, dem Zusammenschluss der europäischen Automobilhersteller, übt nur leise Kritik. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur und Batterieproduktionskapazitäten könne keinesfalls mit diesem Zeitziel mithalten.5
Jörg Hofmann, der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Metall formuliert: „… Wir brauchen einen europaweiten Ausbau der Ladeinfrastruktur und der erneuerbaren Energien, eine Lösung der Lieferketten- und Rohstoffprobleme der Elektromobilität, umfangreiche politische Unterstützung beim Umbau der Industrie sowie beim Aufbau neuer Wertschöpfung und Beschäf-tigung.“6
Auffällig ist bei all diesen öffentlichen Stimmen, dass Vertreter auf Funktionärsebene und Vorstände großer Automobilkonzerne sich wenig gegen die Zerstörung eines ganzen Industriezweigs stellen. Dabei geht es immerhin um 800.000 Beschäftigte in der Automobilindustrie.7 Die Arbeitnehmer in der Automobilindustrie verdienen mit einem Bruttolohn von ca. 48 Euro8 mehr als das Doppelte als der Durchschnittsverdiener in Deutschland und immer noch das Vierfache der hochbezahlten Arbeitnehmer in der High-Tech-Industrie in China.9
Die deutsche Automobilindustrie ist seit längerem dabei, Deutschland den Rücken zu kehren. So kündigte VW bereits an, neue Werke für Autos mit Verbrenner-Motoren nicht mehr in Deutschland aufzubauen. Dabei scheinen für VW selbst die Menschenrechtsverletzungen an den Produktionsstandorten in China keine große Rolle zu spielen.10
Viele Motorenwerke deutscher Hersteller stehen inzwischen in den USA, China, Südafrika oder auch Großbritannien. Der Verbrennungsmotor wird also weiter gebaut werden – aber eben außerhalb der EU.11 Die Hersteller folgen so der Größe ihrer Absatzmärkte für Verbrenner-fahrzeuge. Im Jahr „vor Corona“, 2019, wurden in Asien rund 37 Mio. PKW abgesetzt, in Europa rund 18 Mio. PKW und in Nordamerika rund 13 Millionen12; wobei in den USA noch die sogenannten „light trucks“ hinzuzurechnen wären, die hierzulande als sogenannte SUV in den Personenkraftwagen eingerechnet sind – zusätzlich rund weitere 12 Mio. Stück.13 Der sich zunehmend aufgrund politischer Vorgaben als autofeindlich erweisende Markt Europa verliert für die Automobilindustrie an Relevanz. Für diesen Markt hebt sich die Industrie die ideologisch befeuerte Antriebsart Elektro auf – die Auswirkungen auf die Beschäftigung bleiben der Politik überlassen. Verbrenner-Autos werden stattdessen zunehmend dort gefertigt, wo Löhne und Standortbedingungen aus Unternehmenssicht attraktiver sind.
Die Folgen des Wegzugs deutscher Automobilhersteller und der Zuliefererindustrie werden bis zum Jahr 2035 mehrere hunderttausende Arbeitsplätze vernichten. Aufgrund der dann fehlenden hohen Wertschöpfung wird dies auch schwere Auswirkungen für unsere Sozialsysteme mit sich bringen.
Die Mobilität der Bürger wird massiv leiden, da Durchschnittsverdiener sich die Elektromobilität nicht leisten können werden. So bleibt am Ende ein „Kuba-Effekt“: Die Bürger werden ihre Verbrenner-Autos deutlich länger fahren, als es unter normalen Umständen wirtschaftlich und technisch sinnvoll sein dürfte.
Ohnehin wird der gewünschte „Klimaeffekt“ nur auf dem Papier entstehen. Denn die CO2-Emissionen der Autos mit Verbrennermotoren werden nur verlagert. Ohne eine 100%-Stromversorgung mittels vermeintlich CO2-neutraler Energieerzeugung wird der zusätzliche Stromverbrauch von E-Autos durch Kraftwerke mit fossilen Brennstoffen erzeugt werden. Zudem wird bei den Berechnungen der EU nicht berücksichtigt, dass E-Autos durch die energieintensive Erzeugung der Batterien bereits einen enormen CO2-Rucksack mitbringen – ohne auch nur einen Kilometer gefahren zu sein. Und so kommen renommierte Wissenschaftler und selbst eine Studie von VW zum Ergebnis, dass E-Autos in Deutschland keinen nennenswerten Beitrag zur Reduktion von CO2 liefern werden.14
Viele Probleme werden bewusst übersehen. So wird das für die E-Autos benötigte Kobalt vor allem in politisch instabilen Regionen abgebaut – Kinderarbeit inklusive.15 Auch die Gewinnung von Lithium für Lithium-Ionen-Batterien führt zu massiven Problemen: In Südamerika wird Bauern dabei das Grundwasser entzogen.16
Eine Versorgung von theoretisch mehr als 40 Millionen E-Autos mit Strom für den Ladevorgang stellt auch die lokalen Netzbetreiber vor zunehmende Probleme. So vervierfacht sich beispielsweise die notwendige Leistung eines durchschnittlichen Haushaltes beim Ladevorgang – selbst dann, wenn nur eine Ladestation mit einer Leistung von 11 kW eingebaut wird.
Die Regierung kann nicht erläutern, wo all die „Laternenparker“ ihre E-Autos laden sollen. Dementsprechend werden aktuell reine E-Autos vor allem von Gewerbetreibenden und Eigenheimbesitzern gekauft. Wer keine dauerhafte Abstellmöglichkeit mit Lademöglichkeit für seinen PKW hat, kauft stattdessen einen modernen Verbrenner.
Deutschland ist Technologieführer bei modernen Dieselantrieben.17 Mit dem Ausstieg aus der Dieseltechnologie wird auch die Forschung an deutschen Universitäten leiden. Es ist zu befürchten, dass Deutschland – nach dem Ausstieg aus der modernen Kerntechnologie – bei einer weiteren modernen Technologie den Anschluss verlieren wird.
Zu einer modernen und freiheitlichen Gesellschaft passen keine Denkverbote und Technologieverbote. Selbst die Fraktionen von CDU und FDP im Landtag NRW beschrieben die Leitlinien der Politik der NRW-Landesregierung wie folgt: „Die Verkehrspolitik der NRW-Koalition steht unter der Prämisse der Ideologiefreiheit, der Nutzerorientierung und der Technologieoffenheit. Keinem Bürger soll vorgeschrieben werden, wie, wann und vor allem womit er seinen Weg zurücklegt.“ Die Fraktionen untermauerten diese Forderung in ihrem Antrag mit: „Nutzerorientierung und Technologieoffenheit sind die bestimmenden Leitlinien der nordrhein-westfälischen Verkehrspolitik.“18
II. Der Landtag stellt fest:
- Die einseitige Fokussierung auf eine einzige Technologie widerspricht dem Gedanken einer technologie- und ideologiefreien Entscheidungsmöglichkeit des Bürgers.
- Automobilunternehmen und ihre Zulieferer bilden das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und tragen mit ihren hart arbeitenden Mitarbeitern maßgeblich zum Wohlstand und zur Aufrechterhaltung der Sozialsysteme in Deutschland bei.
- Der seitens des EU-Parlaments geforderte Zeitplan ist hinsichtlich des mangelnden Ausbaus der Ladeinfrastruktur und Batterieproduktionskapazitäten unrealistisch; Ladeinfrastruktur, Batterieproduktionskapazitäten und Rohstoffversorgung sind zuerst zu sichern.
III. Der Landtag fordert die Landesregierung auf:
- Die Verkehrspolitik der NRW-Regierung unter die Prämisse der Ideologiefreiheit, der Nutzerorientierung und der Technologieoffenheit zu stellen und deshalb die Bundesregierung aufzufordern, sich dem Aus des Verbrennungsmotors entgegenzustellen;
- sich darüber hinaus auf allen Ebenen für einen Kurswechsel der Europäischen Union einzusetzen, um der unrealistischen, allein auf Elektromobilität abzielenden Erklärung des EU-Parlaments zu begegnen.
Christian Loose
Dr. Christian Blex
Klaus Esser
Sven Tritschler
Dr. Martin Vincentz
Andreas Keith
und Fraktion
1 Vgl. https://www.waz.de/wirtschaft/eu-parlament-verbrennungsmotor-beschluss-id235567841.html, abgerufen am 09.06.2022.
2 Vgl. https://www.adac.de/news/aus-fuer-verbrenner-ab-2035/, abgerufen am 09.06.2022.
3 Vgl. https://www.achgut.com/artikel/wissing_gegen_verbot_des_verbrennungsmotors, abgerufen am 10.06.2022.
4 Vgl. https://www.handelsblatt.com/dpa/autoindustrie-vda-und-acea-ueben-kritik-an-eu-beschluss-ig-metall-mahnt/28411572.html, abgerufen am 09.06.2022.
5 Vgl. https://www.handelsblatt.com/dpa/autoindustrie-vda-und-acea-ueben-kritik-an-eu-beschluss-ig-metall-mahnt/28411572.html, abgerufen am 09.06.2022.
6 Vgl. https://www.handelsblatt.com/dpa/autoindustrie-vda-und-acea-ueben-kritik-an-eu-beschluss-ig-metall-mahnt/28411572.html, abgerufen am 09.06.2022.
7 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/30703/umfrage/beschaeftigtenzahl-in-der-automobilin-dustrie/, abgerufen am 09.06.2022.
8 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/192090/umfrage/stundenlohn-in-der-automobilindust-rie-in-deutschland/, abgerufen am 09.06.2022.
9 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/219747/umfrage/durchschnittliches-jahresgehalt-eines-beschaeftigten-in-china-nach-branchen/, abgerufen am 09.06.2022.
10 https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/xinjiang-regeln-luft-in-china-wird-fuer-vw-und-andere-kon-zerne-duenner-18086908.html, abgerufen am 09.06.2022.
11 Vgl. https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/autobranche-warum-bmw-und-daimler-ihre-verbrenner-produktion-verlagern-und-welche-risiken-das-birgt/26643870.html, abgerufen am 10.06.2022.
12 Vgl. https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1255739/umfrage/pkw-neuzulassungen-weltweit-nach-region/, abgerufen am 10.06.2022.
13 Vgl. https://www.statista.com/statistics/199980/us-truck-sales-since-1951/, abgerufen am 10.06.2022.
14 Vgl. https://www.youtube.com/watch?v=z5trsBP9Cn4, abgerufen am 10.06.2022, ab etwa Minute 35:40. Hans-Werner Sinn erläutert die verschiedenen Studien zum Vergleich von E-Autos und Dieselfahrzeugen.
15 Vgl. https://www.welt.de/wirtschaft/article196797049/Kobalt-Abbau-Bundesregierung-kann-Kinderar-beit-fuer-Elektroautos-nicht-ausschliessen.html, abgerufen am 10.06.2022.
16 Vgl. https://www.focus.de/wissen/natur/lithiumabbau-fuer-e-autos-raubt-doerfern-in-chile-das-was-ser_id_11584513.html, abgerufen am 10.06.2022.
17 Vgl. https://www.mdr.de/wissen/faszination-technik/kann-diesel-sauber-werden-100.html, abgerufen am 10.06.2022.
18 Vgl. http://intranet.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD17-4447.pdf, abgerufen am 10.06.2022.